Trockenalleinfutter für Hunde – Eine Einführung Teil 2/2

Nachdem wir uns im 1. Teil der Serie mit ein paar Grundlagen, den Herstellungsverfahren und der Frage wie man den ein gutes Trockenfutter erkennt, beschäftigt haben, werden wir uns in diesem Teil mit der Frage wie das mit dem Fleischanteil ist beschäftigen. Hierzu schauen wir uns ein paar Deklarationen an um sie anschliessend genauer zu beleuchten. Abschließend werde ich einige immer wieder auftauchende Fragen beantworten.

Wie ist das mit dem Fleischanteil?

Immer wieder lese ich „In dem Futter xyz sind ja nur 25 % Fleischanteil, im Futter zyx sind es aber 70 %.“

Und jetzt wird es spannend. Wir müssen hier zwischen der Deklaration in der Frischsubstanz und der Deklaration im tatsächlichen, getrockneten Zustand unterscheiden.

Wie wir weiter oben erfahren haben, besteht Trockenfutter ja eben aus getrockneten Zutaten. Also sollten die Inhaltsstoffe auch im getrockneten Zustand deklariert werden. Sollten, denn der Gesetzgeber lässt es dem Hersteller frei, den Fleischanteil in der Frischsubstanz zu deklarieren.

Frischsubstanz, was soll das bedeuten?

Als Frischesubstanz bezeichnet man die einzelnen Komponenten in ihrer ursprünglichen Substanz, beim Fleisch also tatsächlich frisches, saftiges Fleisch. Dieses frische, saftige Fleisch kann so aber nicht ins Trockenfutter. Es muss zunächst getrocknet und gemahlen werden. Das liest man auch immer wieder z.B. „Lammfleisch, getrocknet und gemahlen“.

Da Fleisch aber, je nach Sorte, zu 70 % – 80 % aus Wasser besteht, geht beim Trocknungsvorgang eben auch sehr viel vom ursprünglichen Gewicht an Wasser verloren.

Ein Beispiel:

Wir nehmen das oben angesprochene Futter mit einem Fleischanteil von 70 % frischem Fleisch.

Das Fleisch ist in der Frischsubstanz deklariert. Der Rest in der tatsächlich vorliegenden, getrockneten Form. Trockenfutter hat eine Restfeuchte zwischen 7 % und 12 %, also haben die restlichen Bestandteile eben diese Restfeuchte. Um es einfach zu rechnen nehmen wir hier 10 % Restfeuchte an.

Das Fleisch hat einen Feuchtegehalt von 70 %. D.h. 1000 g Fleisch sind 700 g Wasser. Der Rest, also 300 g, ist die sogenannte Trockensubstanz.

Diese Trockensubstanz bleibt beim Trocknen vollständig erhalten, denn es geht ja nur das Wasser verloren.

Jetzt wurde das Fleisch von 70 % Feuchtegehalt auf einen Feuchtegehalt von 10 % getrocknet.

Der Rechenweg geht über die Trockensubstanz, den einzigen unveränderlichen Wert. Also sind jetzt die 300 g Trockensubstanz 90 %, denn wir haben ja 10 % Restfeuchte (Wasser).

Wenn 300 g 90 % entspricht, sind 100 % dann 333,33 g.

Dann bleiben von 1000 g frischem Fleisch nur noch 333,33 g getrocknetes Fleisch übrig. Der Trockensubstanzanteil, also die Nährstoffe des Fleisches, bleibt aber voll enthalten, es sind immer noch 300 g.

Und wenn ich das ganze jetzt auf 1 kg Futter betrachte, sind es eben einmal 70 %, wenn wir das Fleisch als Frischfleisch betrachten und ein anderes mal 33,33 % bezogen auf den tatsächlichen Feuchtewert.

Diese Rechnung ist vereinfacht dargestellt um sie einigermaßen verständlich zu vermitteln, und die Werte nicht zwingend repräsentativ. Allerdings verdeutlicht sie die Deklarationsmöglichkeiten.

Es macht ernährungsphysiologisch betrachtet keinen Unterschied, ob in einem Futter (bei sonst identischen Anteilen) 70 % frisches Fleisch oder 33 % Fleisch, getrocknet und gemahlen vorliegen.

Wo wir schon bei der Deklaration sind.

Häufig liest man eine Deklaration wie folgt:

Kartoffeln (min. 28% getrocknet und gemahlen), frische Ente (min. 26%), Entenfleisch (min. 17% getrocknet und gemahlen), Äpfel (getrocknet), Rübentrockenschnitzel (entzuckert), Erbsen (getrocknet), Leinsamen, Proteinhydrolysat, Dicalciumphosphat, Geflügelfett, Preiselbeeren, Bierhefe, Blaubeere (getrocknet), Yucca-Extrakt, Brennnessel (getrocknet), Brombeerblätter (getrocknet), Schafgarbe (getrocknet), Fenchel (getrocknet), Kümmel (getrocknet), Kamillenblüten (getrocknet), Mistelkraut (getrocknet), Enzianwurzel (getrocknet), Tausendgüldenkraut (getrocknet 0,03%)

Wir lesen hier 2 x Ente. Zum einen frische Ente und zum zweiten Entenfleisch (getrocknet und gemahlen).

Wo ist der Unterschied? Ganz einfach, Ente kann alles von der Ente sein. Da steht ja nicht frisches Entenfleisch.

Wenn ich jetzt von einer in der Lebensmittelindustrie verarbeiteten, frischen Ente, den Schnabel, die Füße und Haut und Federn verwende. So ist das frische Ente. Es könnte auch Entenfleisch sein, aber wieso folgt dann nochmal Entenfleisch?

In der Regel deklarieren die Futtermittelhersteller so, dass es zu ihren Gunsten ausfällt. Und wenn das „Ente“, Entenfleisch wäre, so darf man davon ausgehen dass es auch so deklariert werden würde.

Wir merken uns also, nur die Angabe des Tieres stellt keine Sicherheit dar, dass es sich hier um Fleisch bzw. hochwertige Innereien handelt. In aller Regel versteckt sich hinter dieser Bezeichnung ein sehr großer Anteil minderwertiger Rohstoffe.

Dann lesen wir Proteinhydrolysat, sehr häufig auch unter Geflügelhydrolysat oder hydrolysiertes Geflügelprotein zu finden. Das sind, in aller Regel aus Abfällen, mittels Hydrolyse gewonnene Proteine. Sie werden meist dann verwendet, wenn das Ausgangsmaterial nicht alle nötigen Aminosäuren deckt. Das ist meist dann der Fall, wenn die Rohstoffe schlechter Qualität sind.

Diese Proteine haben einen sehr großen Vorteil, den ich nicht verschweigen möchte.

Aufgrund der Tatsache, dass es sich dabei um „zerlegte“ Proteine handelt, werden diese vom Darm nicht als solche erkannt. Daher lösen sie bei einem Allergiker keine Allergie aus. D.h. ein Hund der auf Geflügel allergisch reagiert, könnte hydrolysiertes Geflügelprotein zu sich nehmen ohne eine Reaktion. Ob das allerdings, in Anbetracht der Tatsache, dass es ja auch Alternativen zu Geflügel gibt, den Einsatz rechtfertigt, bleibt dahingestellt.

Ich möchte eine weitere Deklaration betrachten:

Geflügelprotein (getrocknet), Mais, Maisfuttermehl, Reis, Tierfett, tierisches Eiweiß (hydrolysiert), Maiskleberfutter, Lignozellulose, Pflanzenproteinisolat*, Rübentrockenschnitzel, Fischöl, Sojaöl, Mineralstoffe, Hefen, Fischeiweiß (hydrolysiert), Hefehydrolysat (Quelle für Mannan-Oligosaccharide), Hydrolysat aus Krustentieren (Quelle für Glukosamin), Tagetesblütenmehl (Quelle für Lutein), Hydrolysat aus Knorpel (Quelle für Chondroitin).

Wenn Du Dir diese Deklaration mit dem bereits erworbenen Wissen ansiehst, wird Dir einiges auffallen.

Zunächst wirst Du feststellen, dass in diesem Futter KEIN Fleisch zu finden ist.

Sämtliche Proteine stammen aus Hydrolysaten. Des Weiteren könnte Dir ein sehr hoher Maisanteil auffallen, der zudem auch noch aus minderwertigem Maisfuttermehl besteht.

Insgesamt ist das ein Futter von dem abzuraten ist.

Eine weitere Deklaration liest sich wie folgt:

Geflügelfleischmehl (21%), Reis (18%), Mais, Bruchreis, Gerste, Rübenmark, Geflügelprotein hydrolisiert, Lammfleischmehl (2%), Heringsmehl, Lachsöl (2%), Globinpulver, tierisches Fett, Hefe getrocknet (Beta-Glucane), Geflügelleberextrakte, Trockenvollei (1%), Leinöl, Lecithin, Fructo-Oligosaccharide (FOS)

Auch hier finden wir Hydrolysate. Allerdings steht nun an erster Stelle Geflügelfleischmehl mit 21 %. Wir haben ja gelernt, dass 21 % bei getrocknetem und gemahlenem Fleisch nicht so schlecht ist.

ABER: Hier handelt es sich nicht um Geflügelfleisch, getrocknet und gemahlen, sondern um Geflügelfleischmehl.

Und leider ist Geflügelfleischmehl nicht wie vielfach angenommen Mehl aus Geflügelfleisch.

Streng genommen gibt es in der Futtermittelverordnung den Begriff Geflügelfleischmehl (oder andere Tiere anstatt Geflügel) nicht. Es gibt Geflügelmehl, dass ist Mehl aus Geflügel. Was vom Geflügel dort verwendet wird, ob das hochwertige Fleisch, oder aber Federn, Haut, Füße, Schnäbel – wir wissen es nicht.

Und Geflügelfleischmehl ist häufig, nicht in allen Fällen, aber sehr häufig, ein „Trick“ der Industrie. Denn durch das Wort Fleisch, wird dem Kunden suggeriert es handele sich eben um Fleisch. Tatsächlich gibt es zwischen der Bezeichnung Geflügelmehl und GeflügelFLEISCHmehl rechtlich keinen Unterschied.

Und ich kann mich nur wiederholen, in aller Regel muss davon ausgegangen werden, dass die Futtermittelhersteller bestmöglich deklarieren. Würde jetzt also nur hochwertiges Fleisch enthalten sein, dürfen wir davon ausgehen dass der Hersteller dies auch erwähnen würde.

Eine Deklaration kann auch so aussehen:

Geflügelfleisch (41%, getrocknet und fein vermahlen), Kartoffelflocken (aufgeschlossen), Kartoffelstärke (fein vermahlen), Geflügelfett (8%), Granatapfelkerne (7%), Lachsöl (1%), Lignozellulose, Mineralstoffe, Bierhefe, Chicoree (0,5%, fein vermahlen, FOS und Inulin), Spirulina (0,1%, fein vermahlen), neuseeländische Grünlippmuschel (0,1%, fein vermahlen, von Natur aus reich an Glucosaminen und Chondroitin), Yucca schidigera.

oder auch

Hühnertrockenfleisch 30 % (gemahlen), das sind über 75% Frischfleischanteil, Brauner Vollwertreis (gemahlen), Menhaden-Hering 9 % (getrocknet und gemahlen), Topinambur (getrocknet und gemahlen), Reiskeimöl (kaltgepresst), Lachsöl (kaltgepresst), Kräutermischung (getrocknet und gemahlen) Kieselerde, Algen (getrocknet), Äpfel (getrocknet und gemahlen), Birnen (getrocknet und gemahlen), Grüner Tee, Fenchelknollen (getrocknet und gemahlen), Blütenhonig (kaltgeschleudert)

 oder

Schweizer Pouletfleisch (Poulet Suisse, 29 %) getrocknet, Gedünstete Kartoffeln, Eismeertrockenfisch 6 %, Brauner Vollwertreis, Püriertes Gemüse (Rüben, Chicoree, Sellerie, Mangold, Pastinaken, Petersilienwurzel), Kaltgepresste Pflanzenöle (Flachsöl, Rapsöl, Walnussöl, Nachtkerzenöl), Maronenmehl, Reiskeime, Maritime Mischung (Seealgen, Muschelfleisch, Fischöl, Krebstiere), Alpenkräuter (Alfalfa, Fenchel, Brennnessel, Löwenzahn, Kümmel, Kamille, Thymian, Bockshornkleesamen, Himbeerblätter, Brombeerblätter, Enzian), Mariendistelsamen • Heilerde • Rosmarinöl • Tagetesblüten

Insgesamt bleibt beim Thema Trockenfutter zu sagen, dass es eine, für den Menschen angenehme Art, der Fütterung ist, mit der der Hund gesund ernährt werden kann, sofern man das „richtige“ Trockenfutter verwendet.

Leider gibt es sehr viele schlechte, und zudem auch noch teure, Futter. Die Guten nehmen aber zu.

Es ist nicht immer leicht die Deklarationen zu lesen, und ich kann hier nur einen ersten Überblick bieten, mit dem aber schon viele Fragen geklärt werden dürften.

Ich habe mir mit FutterOnkel die Aufgabe gesetzt, gute Futtermittel zu finden. So kannst Du Dir als Hundehalter sicher sein, dass die dort angebotenen Futter hochwertige, und vor allem artgerechte Tierfutter sind.

Festzustellen bleibt, dass Trockenfutter immer Trockenfutter bleiben wird, egal wie hochwertig es ist. Es gibt viele Alternativen zu Trockenfutter, mit denen man seinem Hund, nicht nur gesundheitlich, einen Gefallen tut.

So, nun werde ich noch versuchen einige Fragen zu klären:

Ist Welpenfutter sinnvoll, und wenn ja wie lange?

Aufgrund des deutlich erhöhten Bedarfs an umsetzbarer Energie, Protein und anderen Nährstoffen, halte ich es für sinnvoll ein Welpenfutter zu füttern. Natürlich kann der erhöhte Bedarf auch durch Adultfutter gedeckt werden, allerdings muss dann die Futtermenge selbst berechnet werden. Aufgrund der Tatsache dass das Verhältnis der einzelnen Nährstoffe untereinander, bei Adultfutter auf Hunde im Erhaltungsstoffwechsel abgestimmt ist, kann es selbst beim Anpassen zu Über- oder Unterversorgung kommen.

Da ab dem 6. Monat der Bedarf zurück geht, ist ab diesem Zeitpunkt ein Wechsel auf Adultfutter anzuraten, mit dann angepassten Fütterungsmengen.

 

Wächst ein Welpe durch Welpenfutter / zuviel Eiweiß zu schnell?

 Nein! Die Wachstumsgeschwindigkeit eines Welpen hängt direkt mit der aufgenommenen Menge an umsetzbarer Energie zusammen. Hat ein Welpe z.B. sein Futter ständig zur freien Verfügung, ist es sehr wahrscheinlich dass er mehr frisst als er tatsächlich benötigen würde und in der Folge zu schnell, bzw. schneller als „normal“ wächst.

Bekommt ein Welpe Welpenfutter in richtiger Menge wird dieser Hund langsamer wachsen als ein Welpe der Adultfutter erhält, aber zuviel Energie aufnimmt.

 

Können durch Trockenfutter Struvitsteine entstehen?

Jein. Risikofaktoren sind u.a. zu geringe Wasseraufnahme. Da beim Trockenfutter der Anteil an Flüssigkeit, der normalerweise über die Nahrung aufgenommen wird, fehlt, kann bei Hunden die wenig trinken ein erhöhtes Risiko bestehen.

Auch eine Mineralstoffüberversorgung, insbesondere mit Magnesium, Calcium und Phosphor, kann zu Steinen führen. Dies ist dann aber kein alleiniges Problem des Trockenfutters.

 

Macht Seniorfutter Sinn, und wenn ja ab wann?

Der Energiebedarf nimmt im Alter ab. Theoretisch ist dies durch eine Anpassung der Fütterungsmenge steuerbar. Häufig kommen allerdings im Alter auch noch andere Faktoren wie Erkrankungen und weniger Bewegung hinzu. Dann kann es Sinn machen, dies durch ein Futter mit reduziertem Energie- und Eiweißgehalt auszugleichen. Mit einer reinen Mengenanpassung des Adultfutters, ist dies nicht mehr optimal zu erreichen, da bei einer Mengenreduzierung auch die aufgenommenen Mineralstoff- und Vitaminmengen sinken. Ab wann ist sehr individuell, und muss im Einzelfall entschieden werden. Generell beginnt bei großen Rassen ab 7 Jahren das „Alter“.

 

Besteht ein Zusammenhang zwischen Übersäuerung und Trockenfutter?

Ich gehe davon aus, dass bei dieser Frage eine Übersäuerung des Magens gemeint ist.

Da bei der Sekretion des Magensaftes zwischen verschiedenen Phasen (Gehirn-, Magen- und Darmphase) unterschieden wird und sehr viele Einflussfaktoren eine Rolle spielen, ist auch dies sehr individuell. Einen direkten, pauschalen Zusammenhang zwischen Übersäuerung und Trockenfutter ist nach meinem Wissen nicht herzustellen.

Ich hoffe ich konnte Dir einen kleinen Einblick in das Thema Trockenfutter liefern. Hast Du etwas vermisst, oder sind Fragen offen geblieben? Schreibe mir  doch bitte einen Kommentar dazu.

Wenn Du auf der Suche nach einem Futter für Deinen Hund bist, vielleicht weil er eine Allergie hat, das bisherige Futter nicht mehr verträgt, oder weil Du nach diesem Beitrag der Überzeugung bist dass das bisherige Futter nicht zu den Besten gehört, stehe ich Dir gerne beratend zur Seite.

Schreibe mir eine E-Mail oder nutze das Kontaktformular.

Gutes Futter findest Du auch in meinem Shop, eine Übersicht der Trockenfutter findest Du hier.

Über den Autor

Hallo, mein Name ist Christian Obsieger. Ich bin Tierheilpraktiker und Ernährungsexperte für Hunde und Katzen und Inhaber von FutterOnkel. Ich teile hier sehr gerne meine Erfahrungen und mein Wissen rund um unsere vierbeinigen Freunde.

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